Ein Jahr Trump hat nicht nur außenpolitisch Spuren hinterlassen, sondern auch, in Europa fast unbemerkt, deutliche Veränderungen in der Kulturpolitik gebracht. Für die aspekte-Doku reist Jo Schück nach New York, Philadelphia und Washington D.C. und sucht Künstlerinnen, Künstler und Kulturinstitutionen, um eine Bilanz nach einem Jahr Trump zu ziehen. Was alles andere als einfach ist. Die Doku DAS SCHWEIGEN DER KUNST – WIE DER KULTURBETRIEB AMERIKAS VERSTUMMT wird am Freitag, 23. Januar 2026, um 23.30 Uhr im ZDF ausgestrahlt und ist auch im ZDF Streaming-Portal verfügbar.

Donald Trump und seine Administration greifen durch: nicht nur politisch, sondern auch bei einem fundamentalen Freiheitsthema, der Freiheit der Kunst. So jedenfalls ist der Eindruck, den Jo Schück bei seiner Reise entlang der amerikanischen Ostküste gewinnt. Denn nie war es so schwer, überhaupt jemanden vor die Kamera zu bekommen: Dutzende Absagen kassierte das Team im Laufe der Recherchen und Dreharbeiten. Nur sehr wenige lieferten den wohl wahren Grund: Angst. Angst davor, dass „sie uns finden, uns beobachten“, wie eine Kulturmanagerin schreibt. Sie hat Angst, gar keine Aufträge mehr zu bekommen. Mit „sie“ sind unter anderem Mitarbeiter:innen des Kennedy-Centers für darstellende Kunst gemeint, dessen Leitung komplett ausgewechselt wurde und das seitdem Kunstprojekte etwa aus der queeren Szene aus dem Programm genommen hat. „Trumps Leute nutzen künstliche Intelligenz, um die Social-Media-Kanäle der Künstler:innen zu scannen“, sagt Buchautor Darrell West im Interview. Trumps Kulturpolitik ziele darauf ab, das Narrativ von der „elitären Kunst, die sich nicht um kleine Leute kümmert“ zu bedienen.

Was ist los in der demokratischen, linken amerikanischen Kunstszene? Schweigt die Kultur?

Jo Schück trifft unter anderem Künstlerinnen wie Michele Pred, die mit schrillen Kostümen vor Donald Trumps Residenz gegen seine frauenfeindlichen Sprüche protestiert, und begleitet sie bei einer illegalen Kunstaktion am Guggenheim Museum. Sie ist wütend, weil so viele kuschen, sich nicht wehren, nicht mehr auffallen wollen. Was mit denen passiert, die nach wie vor provokante Kunst ausstellen, erklärt Alyssa Nitchun vom Leslie Lohman Museum für queere Kunst: Man sei als „Posterchild“ der in Ungnade gefallenen Kunst ständig Zielscheibe der rechten Szene und habe zum ersten Mal in der Geschichte Security angeheuert. Die Kultur der Gegenwart ist in den USA unter Druck. Vor dem Museum für afroamerikanische Kunst und Kultur in Washington formulieren es zwei Besucherinnen so: „Wir kommen hierher, so lange es noch geht.“

Die aspekte-Doku DAS SCHWEIGEN DER KUNST – WIE DER KULTURBETRIEB AMERIKAS VERSTUMMT ist eine Produktion der ECO DOCUMENTARIES für das ZDF. Buch und Regie: Christian Bock. Moderation: Jo Schück. Autor: Christian Bock. Kamera: Till Kind und Brian Dentz. Ton: Alexander Marshall. Schnitt: Silke Olthoff. Redaktion: Stefan Münker. Producer:innen: Felix Brumm und Christina Rech. Produktion: Tilo Gläßer (ZDF), Nele Koch, Eva Hirschmann (ECO DOCUMENTARIES). Produzent: Thomas Schuhbauer. Leitung der Sendung: Daniel Fiedler.